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Wirtschaft

Die stille Tragödie der Abschiebungen in Deutschland

Abschiebungen aus Deutschland sind ein sensibles Thema, das oft übersehen wird. Sie betreffen nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes.

Felix Becker13. August 20262 Min. Lesezeit

Es war ein grauer Donnerstagmorgen, als ich zufällig im Café an der Ecke ein Gespräch aufspitzte. Ein älterer Herr, seine Brille auf der Nasenspitze balancierend, debattierte leidenschaftlich mit einer Gruppe von Freunden über die Abschiebung eines jungen Mannes aus Syrien. "Er hat hier eine Ausbildung begonnen, lebt seit Jahren in Deutschland und soll jetzt einfach gehen?" schimpfte er. Diese Frage ließ mich innehalten.

Abschiebungen sind eines der Themen, die in der politischen Debatte oft zu kurz kommen. Der Begriff selbst hat einen kalten Klang, der die menschliche Seite der Sache oft übersieht. Es mag politisch korrekt sein, von "Rückführungen" zu sprechen, doch die menschlichen Schicksale hinter diesen Entscheidungen bleiben unberücksichtigt. Der junge Mann, von dem der alte Herr sprach, hat vermutlich Freunde, die ihn vermissen werden, eine Wohnung, die nun leer steht, und Träume, die er mit sich nimmt. Ein Leben wird nicht einfach in ein Flugzeug gepackt und ins Heimatland zurückgeschickt.

An den ersten Blick kann man denken, Abschiebungen seien ausschließlich eine Sache der Bürokratie. Ein Formular hier, ein Stempel dort und schon ist die Sache erledigt. Doch die Realität ist weit komplexer. Bei einer Rückführung wird nicht nur die Staatsbürgerschaft des Einzelnen betrachtet; gesellschaftliche, wirtschaftliche und familiäre Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle. Der Jurist im Café – ich erfuhr, dass er in einer Organisation arbeitet, die sich mit Asylverfahren beschäftigt – erklärte den anderen, dass es oft Jahrzehnte braucht, um einen rechtlichen Status zu klären. Das geflügelte Wort „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“ kam mir in den Sinn.

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Abschiebungen sind nicht zu unterschätzen. In einer alternden Gesellschaft, in der wir einen Mangel an Fachkräften erleben, könnte man sich fragen, ob es nicht klüger wäre, junge Talente zu halten, statt sie aus dem Land zu drängen. Es ist fast ironisch, dass wir einerseits über Fachkräftemangel klagen, während wir andererseits Menschen, die bereit und fähig wären, sich hier einzubringen, zurückschicken. Ein Kreislauf, der anscheinend niemanden wirklich interessiert.

Ich kann nicht anders, als bei diesen Gedanken ein gewisses Unbehagen zu empfinden. Wenn in der Gesellschaft ein solches Ungerechtigkeitsempfinden entsteht, kann das zu einer Kluft führen, die nur schwer zu überbrücken ist.

Der alte Herr im Café wird vermutlich auch beim nächsten Mal wieder von der Abschiebung hören, und vielleicht wird er beim nächsten Mal das Gefühl haben, dass seine Worte nichts ändern können. Aber was würde passieren, wenn wir alle, jeder auf seine Weise, den Mut fassen würden, diese Themen offen zu diskutieren? Die Antworten könnten uns in eine ganz andere Richtung führen, eine, in der wir nicht nur die Zahlen betrachten, sondern die Menschen dahinter. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Diskussion über Abschiebungen nicht mehr nur in den Hinterzimmern der Politik stattfindet, sondern in den Cafés, wo uns das Schicksal der Menschen direkt vor Augen geführt wird.

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